Ein Kommentar von Bernd Schreiner

Da hat auch der geschäftsführende Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt gegen alle Gepflogenheiten bei Unstimmigkeiten in der Koalition auf EU-Ebene mit einer Enthaltung zu votieren, einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat zugestimmt. Mit dieser Dreistigkeit macht sich der Biodiversität für das Leben in unserem Land massiv zu schaden.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um Giftwirkungen auf Mensch und Tier direkt, auch wenn die Warnsignale da sind.

Es geht darum, dass wir unsere eigene Ernährung zerstören. Wir zerstören ein engmaschiges Netzwerk zwischen Pflanzen, Tieren und unseren Lebensgrundlagen. Als Imker verfolge ich die Folgen von Glyphosateinsatz und Neonicoiden seit Jahren.
Unsere Landschaft wird systematisch ausgeräumt. Artenreiche Ackerraine werden tot gespritzt, ebenso wie Wegränder die oft letzte Bastion einer Artenvielfalt waren. Dazwischen werden auf Äckern mit modernster Technik Monokulturen bodenschädigend mit dem vollen Chemieprogramm produziert. Da gibt es keinen Lebensraum mehr.

Nun hilft der Schrei nach dem Ökolandbau wenig, denn dieser nutzt zwar keine Totalherbizite, doch die Bioagrarfabriken im Osten zeigen auch hier den Trend der Spezialisierung und so sind auch dort oft auf Schlägen mit hunderten, ja tausenden Hektar nur Dinkel, Weizen und Hafer zu finden, zu wenig auch für unsere Bestäuber die Bienen. Gesunde Bienenvölker benötigen eine vielfältige Landschaft in der vom ausgehenden Winter bis in den Herbst Blüten gibt, die Pollen spenden.

So brauchen wir einen lokal differenzierten Anbau, stark durchmischt und von Randstreifen geprägt in der die Natur sich selbst überlassen, Rettungsinseln für das Überleben von tausenden von Arten gewinnt. Wir brauchen Gewässerrandstreifen die ungenutzt Nutzen bringen für die Insekten, Vögel, als Überflutungsbereiche und für mäandernde Gewässer. Dies muss gefordert und gefördert werden.
Das spricht aber gegen alles, was unsere Landwirtschaft bestimmt. Wo für Weltmarkt und Subventionen, eine vom Wachstumwahn und fehlgeleiteter Wirtschaftsförderung geprägte Produktion stattfinden, da finden die oft durchdachten Interessen der Menschen kaum Gehör. Obwohl eine breite Bevölkerungsgruppe lautstark mit Fachverbänden gegen Totalherbizite wie Glyphosat auftreten werden wir von einen Minister Schmidt derart verkauft, da hat der Wählerwille keine Chance.

Wir brauchen ein grundsätzliches Umdenken und die Zeit einer geschäftsführenden Regierung deren Zukunft nach den Bundestagswahlen weiter ungewiss ist, ist keine schlechte dafür-, zu klären wer wie Einfluss in unserer Politik nimmt. Wo gut finanzierte Netzwerke Positionen von der Lehre, der Politik , den Gremien und Behörden bis zu den Konzernen unterhält hat eine Demokratie ausgedient die sich dem nicht lautstark dagegen stellt.
So ist der Streich des Herrn Schmidt hoffentlich ein Startschuss für einen Neuanfang für eine transparente, offene und demokratisch bestimmte Politik.